Im Hamsterrad der Erwartungen — Erschöpfung in Führungsrollen

Im Hamsterrad der Erwartungen

Warum es so schwerfällt, in der Verantwortung Grenzen zu setzen — und warum „mehr Belastbarkeit" nicht der richtige Hebel ist. Eine kurze Beobachtung aus der Coaching-Praxis.

In Coachings hören wir Sätze wie diese:

Ich bin schnell. Zuverlässig. Immer da. Ich helfe, springe ein, halte durch.

Nach außen wirkt alles gut. Innerlich läuft ein anderes Programm: Erschöpfung. Gereiztheit. Leere.

Vielleicht haben Sie früh gelernt, dass Sie leisten müssen, um anerkannt zu werden. Oder dass andere wichtiger sind. Das Getriebensein fühlt sich irgendwann normal an. Es ist nicht gesund.

Warum Grenzen so schwerfallen

„Ich will nicht egoistisch sein."
„Ich kann doch nicht einfach Nein sagen."
„Was, wenn sie enttäuscht sind?"

Grenzen setzen ist kein Kommunikationsproblem. Es ist ein innerer Lernprozess. Drei Bewegungen gehören dazu:

  • Die eigenen Gefühle ernst nehmen.
  • Die eigenen automatischen Gedanken nicht mehr glauben müssen.
  • Sich selbst wieder wichtig nehmen.

In Coaching und Begleitung lässt sich genau hier ansetzen — nicht durch Härte, sondern durch klareres Sehen.

Getriebene ziehen mit

Manche Menschen steigen nicht aus. Weil sie nicht wissen wie. Oder weil sie Angst davor haben.

Sie geben ihr Tempo weiter. Sie laden Dringlichkeit auf andere. In Organisationen ist das ein Mechanismus, der ganze Teams in den gleichen Modus zieht — bis niemand mehr unterscheiden kann, was wirklich dringend ist und was nur als dringend kommuniziert wurde.

Wenn Sie nicht aufpassen, ziehen Sie mit. Sie funktionieren wieder. Obwohl Sie es besser wissen. Bis es kippt.

Es geht auch anders

Was Sie brauchen, ist kein härteres Fell. Sondern mehr Verbundenheit mit sich selbst.

Begleitung — Coaching, kollegiales Sparring, in tiefen Belastungen auch Therapie — kann dabei helfen,

  • unangenehme Gefühle auszuhalten, statt sich von ihnen steuern zu lassen,
  • automatische Gedanken zu erkennen und loszulassen,
  • die eigenen Werte zu klären,
  • Verhalten bewusst zu wählen, Schritt für Schritt.

Nicht perfekt. Aber echt. Nicht laut. Aber klar.

Vielleicht ist jetzt ein guter Moment

Nicht zum Umwerfen Ihres Lebens. Sondern für eine neue Richtung.

Eine kleine Grenze. Ein Nein ohne Schuld. Ein Ja zu sich selbst.

In Führungsrollen ist das nicht egoistisch — es ist die Voraussetzung dafür, andere wirksam führen zu können. Wer dauerhaft im Hamsterrad rennt, führt nicht. Er reagiert.

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