Wenn Teams für den Erfolg brennen — bis sie ausbrennen

Wenn Teams für den Erfolg brennen — und dann ausbrennen

Manche Teams sind so erfolgreich, dass sie sich nicht mehr stoppen können. Die Übererfüllung wird zum Selbstläufer — bis die Beteiligten einer nach dem anderen ausfallen. Ein Lehrstück.

Ein erfolgreiches Team brennt immer weiter

Ein Team aus über 20 Menschen — divers nach Geschlecht, Alter, Beruf, Herkunft — erbringt zwei Jahre lang außergewöhnliche Leistungen. Es rollt eine ursprünglich deutsche Software in über 100 Ländern aus, managt den Gegenwind, reportet kritische Kennzahlen, übertrifft Ziele.

Sie sind so erfolgreich, dass sie alle „high" von der ständigen Übererfüllung der gesteckten Ziele sind. Andere würden auch „schlagkräftig", „durchsetzungsstark" oder „leistungsstark" dazu sagen.

Erfolge werden regelmäßig gefeiert. Auszeichnungen, finanzielle Boni, Abendveranstaltungen — es sollte an nichts fehlen. Und alle im Team unterstützen sich gegenseitig, um den gemeinsamen Erfolg voranzutreiben. Ein mustergültiges Team.

Heute gibt es dieses Team nicht mehr. Einige der Mitglieder haben keinen Kontakt mehr zueinander. Einige haben sich zerstritten. Einige sind krank geworden und haben sich zurückgezogen. Andere haben sich ein anderes Team gesucht.

Ein Teammitglied nach dem anderen brannte aus.

Was passiert ist

Rückwirkend ist die Antwort einfach: „Das hätte man doch sehen und stoppen müssen."

Und ja, die Anzeichen waren da: zunehmender Zynismus, emotionale Erschöpfung, Überreaktionen, sinkende Arbeitsleistungen.

Aber jeder Versuch von außen, das Tempo zu thematisieren, wurde als Neid empfunden — oder zumindest als störend. Wer mit Erfolg arbeitet, lässt sich ungern dazwischenreden.

Und im Team selbst? Niemand hatte die Kompetenz, die längst stattfindende Überhitzung zu benennen, geschweige denn in den Griff zu bekommen. Denn alle waren damit beschäftigt, den Erfolg aufrechtzuerhalten.

Alle brannten — und bei einigen wurde aus dem Brennen für ein Ausbrennen.

Was Führung daraus lernen kann

Drei Beobachtungen aus unserer Begleitungsarbeit mit ähnlichen Konstellationen:

Erste Beobachtung. Hochleistungs-Teams sind besonders gefährdet — gerade weil ihr Erfolg sie blendet. Was wie Stärke aussieht, kann eine kollektive Selbstausbeutung sein. Und je größer der Erfolg, desto schwerer ist sie von außen anzusprechen.

Zweite Beobachtung. Innerhalb des Teams fehlen meist die Werkzeuge, das Phänomen zu erkennen. Niemand will der erste sein, der das Tempo in Frage stellt. Der soziale Druck wirkt nach innen — wer ausschert, ist „nicht mehr dabei".

Dritte Beobachtung. Externe Reflexionsräume sind genau hier wertvoll. Nicht als Bremse, sondern als Möglichkeit, das, was im Inneren niemand mehr aussprechen kann, sichtbar zu machen — bevor es in Krankheit oder Zerwürfnis umschlägt.

Was Sie tun können

Als Führungskraft haben Sie eine gute Chance, mit Ihrem Team heil durchzukommen — wenn Sie früh genug merken, was passiert.

Eine Vorsicht: Wenn Sie selbst schon mit im Stress-Modus sind, besteht die Gefahr, dass Sie das Team mit gut gemeinten Reaktionen weiter überfordern oder selbst ausbrennen. Aus gut gemeint wird dann das Gegenteil.

Externe, professionelle Begleitung schafft Distanz, die Sie als Teil des Systems nicht selbst herstellen können. Sie ermöglicht es, das Tempo zu thematisieren, ohne den Erfolg klein zu reden.

Mein Fazit

Wenn ein Team für den Erfolg brennt, ist das ein Geschenk. Es ist auch ein Risiko — wenn niemand das Tempo unterbricht, bevor das Brennen ins Ausbrennen kippt.

Erfolg trägt nur, wenn er die Menschen trägt, die ihn erzeugen. Wer das übersieht, hat irgendwann beides nicht mehr: weder das Team noch den Erfolg.

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