Bestätigungsfehler

Here's an illustration that captures the concept of confirmation bias in a corporate setting.

Bedeutung

Die Tendenz, Informationen so zu suchen, zu interpretieren und zu erinnern, dass sie die eigenen Vorannahmen oder Überzeugungen bestätigen.

Emotionen

Der Bestätigungsfehler, obwohl primär ein kognitives Phänomen, ist eng mit verschiedenen Emotionen verbunden. Diese Emotionen können sowohl Ursache als auch Folge des Bestätigungsfehlers sein. 

Hier sind einige Emotionen, die häufig mit dem Bestätigungsfehler in Verbindung gebracht werden:

  1. Sicherheit und Komfort: Die Neigung, Informationen zu suchen, die die eigenen Überzeugungen bestätigen, kann ein Gefühl der Sicherheit und des Komforts vermitteln. Das Festhalten an bekannten Überzeugungen reduziert Unsicherheit und das Unbehagen, das durch konträre Informationen verursacht werden kann.

  2. Angst und Furcht: Angst vor dem Unbekannten oder vor Veränderungen kann dazu führen, dass Menschen bestätigende Informationen bevorzugen. Der Bestätigungsfehler hilft, Bedrohungen für das eigene Weltbild abzuwehren, was wiederum Angstgefühle mindert.

  3. Stolz und Selbstwertgefühl: Die Bestätigung eigener Überzeugungen kann das Selbstwertgefühl und den Stolz steigern. Es ist angenehm zu glauben, dass man recht hat, was zu einer verstärkten Suche nach bestätigenden Informationen führt.

  4. Ärger und Frustration: Wenn Personen mit Informationen konfrontiert werden, die ihren Überzeugungen widersprechen, können sie Ärger und Frustration empfinden. Der Bestätigungsfehler kann als Abwehrmechanismus dienen, um solche negativen Emotionen zu vermeiden.

  5. Erleichterung: Die Bestätigung von Vorannahmen, besonders in unsicheren oder risikoreichen Situationen, kann ein starkes Gefühl der Erleichterung hervorrufen. Dies kann besonders deutlich sein, wenn Entscheidungen unter Druck getroffen werden müssen.

  6. Überraschung und Enttäuschung: In manchen Fällen kann die Konfrontation mit Beweisen, die starken Überzeugungen widersprechen, zu Überraschung oder Enttäuschung führen. Dies kann passieren, wenn der Bestätigungsfehler eine Person daran gehindert hat, eine realistischere Sichtweise zu entwickeln.

  7. Zufriedenheit und Bestätigung: Das Finden von Informationen, die die eigenen Überzeugungen stützen, kann zu einem Gefühl der Zufriedenheit führen. Es bestätigt, dass die eigene Perspektive „richtig“ ist, was intern als belohnend empfunden wird.

Der Bestätigungsfehler und die damit verbundenen Emotionen spielen eine komplexe Rolle in der Art und Weise, wie Menschen Informationen verarbeiten und Entscheidungen treffen. Das Bewusstsein für diese emotionalen Verbindungen kann dabei helfen, offener für verschiedene Perspektiven zu sein und zu einer ausgewogeneren Sichtweise zu gelangen.

Beispiele

  • Investitionsentscheidung: Ein Finanzanalyst bevorzugt Daten, die seine Hypothese unterstützen, dass eine bestimmte Aktie eine gute Investition ist, und ignoriert oder unterschätzt systematisch Informationen, die gegen diese Investition sprechen könnten. Trotz gemischter Signale aus dem Markt und negativer Analystenberichte konzentriert sich der Analyst ausschließlich auf positive Wachstumsprognosen und Erfolgsgeschichten ähnlicher Unternehmen, um seine Entscheidung zu rechtfertigen.

  • Produktentwicklung: Ein Produktmanager hat die feste Überzeugung, dass die nächste Produktiteration eine bestimmte neue Funktion enthalten muss, um erfolgreich zu sein. Bei der Durchsicht von Kundenfeedback und Nutzungsdaten achtet er vorrangig auf Kommentare, die seine Ansicht unterstützen, dass diese Funktion gewünscht oder benötig ist. Kritische Stimmen, die auf andere Prioritäten oder Probleme mit der Funktion hinweisen, werden entweder ignoriert oder als unrepräsentativ abgetan.

  • Marketingstrategie: Eine Marketingmanagerin ist überzeugt, dass soziale Medien der Schlüssel zum Erfolg ihrer neuen Kampagne sind, basierend auf früheren Erfahrungen. Bei der Analyse der Zielgruppendaten legt sie den Schwerpunkt auf Metriken, die die Effektivität von sozialen Medien hervorheben, und vernachlässigt dabei Daten, die auf andere effektive Kanäle wie E-Mail-Marketing oder traditionelle Medien hinweisen könnten. Sie interpretiert jeden Erfolg der Kampagne als Beweis für die Wirksamkeit sozialer Medien und übersieht Möglichkeiten, die Gesamtstrategie durch Integration anderer Kanäle zu verbessern.

  • Feedbackkultur im Team: Ein Teamleiter glaubt fest daran, dass seine Führungsstrategie zu einer offenen und ehrlichen Feedbackkultur beiträgt. Wenn er Feedback von seinem Team sammelt, neigt er dazu, positive Kommentare zu seiner Führungsmethode hervorzuheben und als Bestätigung zu interpretieren, während er kritische Anmerkungen als Einzelfälle oder Missverständnisse abtut. Diese selektive Wahrnehmung verstärkt seinen Glauben an seine eigenen Fähigkeiten und verhindert mögliche Verbesserungen in seiner Führungspraxis.

  • Technologieauswahl: Der IT-Leiter eines Unternehmens ist stark davon überzeugt, dass eine bestimmte Softwarelösung die Produktivität im Unternehmen steigern wird. Bei der Recherche nach passenden Technologien fokussiert er sich vorrangig auf Studien, Expertenmeinungen und Testberichte, die die Vorteile dieser Software hervorheben. Gleichzeitig ignoriert oder rationalisiert er gegenteilige Beweise oder Berichte über signifikante Nachteile und Probleme mit der Software. Diese Verzerrung führt dazu, dass er eine Entscheidung trifft, die nicht vollständig auf einer objektiven Bewertung aller verfügbaren Informationen basiert.

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